Sabine Hohenstein in China

Crossing Over – Die Kunst überwindet Grenzen!

Schon mal von „crossing over“ gehört? „Etwas überqueren“ oder „von einer Seite auf die andere gehen“ könnte man sich vielleicht darunter vorstellen. Wer sich mit Biologie beschäftigt, ist dem Begriff vielleicht schon einmal begegnet. Hier verwendet man ihn für die Neukombination von Erbinformation. Diese entsteht, wenn sich beim Verschmelzen von mütterlicher und väterlicher DNA die Chromosomen kreuzen, Bestandteile austauschen und dadurch eine neue DNA bilden.

Was das mit Kunst zu tun hat? Ganz einfach: Auch hier kann ein Austausch stattfinden, sowohl zwischen zwei Künstlern als auch zwischen zwei Kulturen!

Ideen-Austausch in der Kunst

Als die Künstlerin Christine Hohenstein vor einigen Jahren für einen mehrjährigen Auslandsaufenthalt nach China ging, sah sie sich zunächst mit Sprachbarrieren und kulturellen Grenzen konfrontiert. Da sie aber in China weiter künstlerisch tätig sein wollte und dies in Isolation nur selten gelingen kann, suchte sie nach Wegen, diese Grenzen zu überwinden. Und wurde sich bewusst, dass sie bereits über eine Sprache verfügte, die alle Menschen der Welt ohne Worte verstehen können: die Kunst!

Von der Idee zur Tat

Nun wollte sie ganz konkret herausfinden, ob zwei Künstler unterschiedlicher Kulturen und Sprachen sich durch die Sprache der Kunst verständigen können. Damit war die Idee zu Christine Hohensteins Crossing Over-Kunstprojekten geboren, die sie seither mehrfach in die Tat umgesetzt hat. Bei ihrer Methode treffen sich zwei Künstler in einem geeigneten Raum und beginnen jeweils mit einem Werk. Nach einiger Zeit tauschen sie ihre Werke aus und arbeiten am Bild des anderen weiter. Dabei gilt es, sich auf das vom anderen bereits Geschaffene einzulassen und es in die eigene Arbeitsweise zu integrieren. Dadurch verändern sich das eigene Schaffen und die Sicht auf die Kunst des anderen. Die Stile überkreuzen sich, wie in der Biologie die Chromosomen. Am Ende entstehen zwei Crossing Over-Kunstwerke, aus denen eine neue künstlerische Vielfalt und ein neues Verständnis für eine andere künstlerische Sicht sprechen.

Jedes Mal anders

Dass dabei jedes Crossing Over-Kunstprojekt anders ist, versteht sich von selbst. Ihr erstes Projekt führte Christine Hohenstein mit dem damals 80jährigen Künstler Tanchi Michelotti in Italien durch. Beide gingen höflich und mit viel Respekt vor. „Wir gewährten uns gegenseitig Raum in den Bildern und begegneten uns herzlich und mit viel Humor“, beschreibt die Künstlerin diese inspirierende Erfahrung. In den beiden neu entstandenen Werken hatten sich schließlich beide Stile so vermischt, dass sie zwar noch gut erkennbar waren, aber doch etwas völlig Neues entstanden war (https://www.youtube.com/watch?v=JofjNuUM8rE).

Crossing Over in Italy

Ihr Crossing Over-Projekt mit dem Künstler Li Bin in China gestaltete sich dagegen etwas schwieriger: Li Bin malte schnell und raumgreifend und ließ so auf seinem Bild kaum noch Raum für die Künstlerin. Auch die verwendeten Materialien vertrugen sind nicht gut. So musste sie über Li Bins chinesische Tusche malen, die aber nicht trocknen wollte. Dass die Crossing Over-Erfahrung dennoch auch für Li Bin inspirierend war, zeigte sich in der Überraschung, die er in Christine Hohensteins Bild für sie versteckt hatte: ein kleiner schwarzer Krieger, der als Beschützer aus der chinesischen Mythologie über sie wachen soll (https://www.youtube.com/watch?v=mppS4fMG8eQ&t=4s).

„Es erfordert einen gewissen Freimut, sich zu öffnen und seine Leidenschaft zeigen und mischen zu wollen. Die Begegnung und der kulturelle Austausch mit Künstlern aus aller Welt reichern die eigene Kreativität mit neuen Möglichkeiten an, sprengen Barrieren zwischen den Nationen und öffnen neue Horizonte.“  Christine Hohenstein

Plakat_FrauenzimmerCrossing Over geht noch anders!

An Crossing Over in anderer Hinsicht – nämlich durch das Überschreiten der Grenze von bildender Kunst und Theater – lässt Christine Hohenstein am 20. Februar und am 17. März Interessierte beim Frauenzimmerabend im Theater Drehleier in München teilhaben. Mehr Infos auf https://theater-drehleier.de.