Stoffe färben macht Spaß und bietet die Gelegenheit, alten Klamotten einen neuen Look zu verpassen. Auch Textilien und Wolle kannst Du ganz nach Deinen individuellen Wünschen gestalten. Besonders umweltbewusst ist dies mit verschiedenen Naturfarben möglich. Es ist immer wieder überraschend, wie variationsreich und spannungsvoll sich die Palette an unterschiedlichen Nuancen entpuppt, die uns durch verschiedene natürliche Zutaten zur Verfügung stehen.

Eine gewisse Experimentierfreude gehört zum Färben mit Pflanzenstoffen dazu. Denn das Ergebnis ist von einer Vielzahl an Einflüssen abhängig, die nicht immer genau kontrolliert werden können. Die eine oder andere Überraschung ist dabei also vorprogrammiert. Doch die Stoffe entlohnen uns für unseren Mut und die Mühe mit einzigartigen Farbschattierungen und einem ganz besonderen Aussehen.

Die Materialien bleiben frei von chemischen Zusätzen und sind somit auch viel hautfreundlicher. Für bestimmte Kontaktallergien sind vor allem künstliche Farbstoffe verantwortlich. Beim Selberfärben mit der natürlichen Alternative kannst Du somit auch das Risiko allergischer Reaktionen vermindern.

Nachhaltige, bunte Kleidung

Wer Wert darauf legt, seinen ökologischen Fußabdruck zu minimieren, kann durch die Nutzung von natürlichen Farbstoffen einen wichtigen Beitrag leisten. Gerade das Einfärben der verschiedensten Materialien, die in der Bekleidungsindustrie eingesetzt werden, gehört zu den schädlichsten Prozessen mit dem größten Einfluss auf die Umwelt. Es werden nicht nur riesige Mengen an frischem Wasser benötigt, sondern oft auch Abwässer mit einer hohen Konzentration an verschiedenen Giftstoffen hinterlassen.

Leider ist es heutzutage nicht so leicht, nachhaltig und umweltfreundlich produzierte Kleidung zu finden. Verschiedene Siegel kennzeichnen Textilien, bei deren Produktion verschiedene Mindeststandards eingehalten wurden und bieten so eine gewisse Orientierungshilfe. Auch eine faire Handelskette lässt sich daran erkennen. Alternativ kannst Du gebrauchte Kleidung im Internet, dem Flohmarkt oder Secondhandladen um die Ecke erwerben. Wer empfindliche Haut hat, sollte allerdings vorsichtig sein, denn manchmal fehlen die eingenähten Labels mit den Informationen zum Material oder den Pflegehinweisen.

Mit pflanzlichen Farben kannst Du blasse Stücke zusätzlich auffrischen oder sie mit verschiedenen Färbetechniken aufwerten und zu ganz individuellen Einzelstücken machen. Dabei werden Umwelt und Ressourcen geschont. Gerade das verwendete Wasser wird durch die natürlichen Zutaten nicht umweltschädlich verunreinigt.

Welche Materialien sind geeignet?

Grundlegend eignen sich Naturfasern besser zum Färben als synthetische Materialien. Letztere nehmen die Farbe oft schwer oder gar nicht an. Mit den folgenden Stoffen lassen sich die besten Ergebnisse erzielen:

  • Baumwolle
  • Wolle
  • Leinen
  • Hanfgewebe und -garne
  • Reine Seide
  • Viskose (halbsynthetische Faser aus Cellulose)

Zum Färben eignen sich jedoch auch Mischgewebe. Bei einem Naturfaseranteil von wenigstens 50 Prozent sind meist noch gute Ergebnisse erreichbar. Sind unterschiedliche Naturfasern zu einem Gewebe verarbeitet worden, solltest Du beim Färben auf die maximal mögliche Temperatur achten.

Oftmals weisen die natürlichen Gewebe oder Garne bereits eine eigene Färbung auf. Sie erstrahlen meist nicht völlig weiß, sondern besitzen in der Regel einen leicht beigefarbenen Grundton. Dies wirkt sich auf das Färbeergebnis aus:

  • Weiße Ausgangsmaterialien: Höchste Strahlkraft bei den Farben
  • Materialien mit eigenem Grundton: Gedeckte Farben, natürliche Nuancen und Mischtöne
  • Bereits gefärbte Textilien: Nachfärben zum Auffrischen der Farbe oder um Mischtöne zu erzeugen

Welche Zutaten für welches Farbergebnis?

Die Natur bietet mit ihrer unendlichen Fülle Zutaten für eine erstaunliche Farbenvielfalt. Viele davon findest Du schon direkt in Deiner Speisekammer, andere sind beispielsweise in der Drogerie oder bei verschiedenen Onlineversandhändlern erhältlich. Wir haben zu den verschiedenen Nuancen die jeweils möglichen Farbstoffe für Dich zusammengetragen:

  • Gelb: Berberitze, braune Zwiebelschalen, Färberdistel, Färberwau, Ginster, Goldrute, Rainfarn, Rhabarber
  • Rot: Ahornwurzel, Avocadoschalen, Färberkrapp, Gänsefuß, Labkraut, Rote Bete, rote Zwiebelschalen, Schlehdorn, Walnussschalen
  • Rosa: Rosenblütenblätter
  • Orange: Färberkrapp, Johanniskraut
  • Braun: braune Zwiebelschalen, Färberkrapp
  • Grün: Birkenblätter, Brombeerblätter, Mistel
  • Blau: Färber-Waid, Indigo
  • Violett: Blauholz, Brombeerfrüchte

Je nachdem welche Pflanze zum Einsatz kommt, müssen die Zutaten unterschiedlich vorbereitet werden. Mal werden die Blätter direkt zu den zu färbenden Textilien gegeben, mal vorher ein Auszug durch Kochen hergestellt. Zudem eignen sich die verschiedenen Zutaten je nach Material nicht gleichermaßen gut. Je nachdem ob Baumwolle, Seide oder Leinen gefärbt werden soll, sorgen unterschiedliche Färbepflanzen für das jeweils beste Ergebnis.

Überraschung inklusive

In manchen Fällen verändert sich das Farbergebnis im Laufe des Vorgangs noch. Beim Färben mit Färberwaid beispielsweise nimmt der Stoff zunächst eine grünliche Farbe an. Erst unter Einwirkung des Luftsauerstoffs ändert sich der Farbton zu einem Blau. In manchen Fällen verändert sich die Nuance beim Abkühlen des Farbbads.

Auch nach dem eigentlichen Färben musst Du manchmal noch mit Überraschungen rechnen. Ausgekochte Avocadoschalen ergeben beim Färben einen schönen Rotton. Werden die Textilien oder Garne anschließend noch in Essigwasser fixiert, kann dies in einen Braunton umschlagen.

Das eigentliche Endergebnis bleibt also häufig bis zum Schluss offen. Wenn Du auf der sicheren Seite sein willst oder einen bestimmten Farbton anstrebst, solltest Du mit dem selben Material zunächst ein paar Tests durchführen und die genauen Bedingungen dazu dokumentieren. Selbst kleinere Unterschiede bei der Temperatur oder der Menge der verwendeten Farbstoffe können bereits zu einem veränderten Resultat führen. Auch das Beizen im Vorfeld sorgt für ein anderes Ergebnis.

Der Färbevorgang

Alle Textilien und Garne sollten vor dem Färben gewaschen werden. Manche Materialien wie Baumwolle sollten vor dem Färben mit bestimmten Zutaten gebeizt werden. Dies dient dazu, dass die Farbe besser aufgenommen wird und später besser hält. Dazu werden 100 Gramm Alaun und zwei Teelöffel Weinstein in zehn Litern Wasser aufgelöst und die Mischung dann aufgekocht. Die Menge ist ausreichend, um rund 500 Gramm Baumwolle oder 1.000 Gramm Wolle oder Seide zu beizen. Dazu werden sie etwa zwei Stunden in der Tinktur eingeweicht und anschließend getrocknet.

Die einzelnen Farbbäder setzt Du am besten in einem großen Hitzefesten Eimer oder Kochtopf an. Damit die Flüssigkeit frei von Schwebstoffen der Färberpflanzen bleibt, können diese zum Auskochen auch in einem Jutesäckchen in den Topf gehängt werden. Das Gefäß solltest Du ausreichend groß wählen, damit die Materialien darin auch zum Umrühren und Bewegen genügend Platz finden.

Am besten wäre es ohnehin, das Färbegut während des Einwirkens permanent in Bewegung zu halten. So kannst Du vermeiden, dass sich Flecken oder ungleichmäßige Stellen bilden. Bei einer längeren Einwirkzeit genügt meist, wenn die Materialien immer wieder mal umgerührt werden.

Als grober Anhaltspunkt dient ein Verhältnis von einem Teil Stoff zu einem Teil getrocknete Färberpflanzen. Die Färbedauer hingegen beträgt etwa eine halbe Stunde bis zu einer Stunde. Bei einer kürzeren Zeit wird das Ergebnis entsprechend schwächer. Ein längeres Einwirken führt meist zu keiner weiteren Veränderung. Soll das Ergebnis intensiver werden, ist es möglich, den Stoff zwischendrin zu trocknen und ihn nochmals in ein neues Färbebad zu geben.

Ein paar Grundregeln helfen Dir das Endergebnis zu beeinflussen, egal welche Zutat Du zum Färben verwendest:

  • Grundsätzlich die höchst mögliche Temperatur für das Wasser beim Färben wählen
  • Je länger die Materialien in der Farbtinktur verbleiben umso intensiver das Ergebnis
  • Mehrere Durchgänge hintereinander können eine kräftigere und dunklere Farbe erzielen
  • Für ein gleichmäßiges Ergebnis ohne Flecken muss der Stoff oder das Garn immer wieder im Farbbad bewegt werden
  • Das aufeinanderfolgende Färben in unterschiedlichen Farbbädern erzeugt entsprechende neue Nuancen nach den Regeln der subtraktiven Farbmischung
  • Durch unterschiedliche Einwirkzeiten können Farbverläufe erzielt werden
  • Eine dunklere Ausgangsfarbe bei den Naturfasern kann durch den Einsatz von Wasserstoffperoxid aufgehellt werden

Farbe natürlich fixieren

Um die Naturfarben besser vor dem Ausbleichen durch wiederholtes Waschen oder die Sonneneinstrahlung zu schützen, können die gefärbten Materialien nach dem ersten Ausspülen in ein Essigbad gegeben werden.

Auch hier gilt: Die am besten geeigneten Färbepflanzen für das jeweilige Gewebe weisen eine größere Haltbarkeit auf.

 

Wolle natürlich färben

Muster und Effekte erzeugen

Wenn Du Deine Stoffe nicht in einem gleichmäßigen Farbton einfärben möchtest gibt es die verschiedensten Möglichkeiten Muster oder besondere Effekte zu erzielen. Derzeit erlebt die alte japanische Shibori-Technik eine regelrechte Rennaissance. Wie beim Batiken erzeugt das gezielte Abbinden, Falten und Komprimieren verschiedener Partien tolle Muster.

Bunt wird es, wenn Du die Textilien oder Garne in mehrere Farbbäder eintauchst und dabei jeweils nur einzelne Partien färbst. Die Stellen, an denen sich die einzelnen Töne überlagern sorgen immer wieder für verblüffende Ergebnisse. Auch hier lässt sich das finale Resultat nur schwer hervorsagen oder gar planen. Beim Färben mit Naturfarben gehört der Überraschungseffekt mit dazu. Mit etwas Übung und viel Ausprobieren kannst Du nach und nach Erfahrungen sammeln und lernst, die nötigen Einwirkzeiten besser einzuschätzen oder weißt, wie Du bestimmte Effekte gezielt erreichen kannst. Am Ende hast Du auf jeden Fall ein ganz besonderes Einzelstück, das nachhaltig und umweltfreundlich gefärbt wurde.

Wenn Ihr jetzt richtig Lust bekommen habt, Stoffe selber zu färben, empfehlen wir Euch zwei Bücher zum Thema: „Stoff und Farbe“ und „Drucken auf Stoff und Papier“, die Ihr beide direkt im OZ Shop bestellen könnt.

 

P.S. Alaun für die Vorbehandlung (die sogenannte Beize) der Wolle, sowie blaues Indigo-Farbpulver erhaltet ihr hier [klick].