Garderobe aus Holz

Das Spannende an Do-it-Yourself ist, dass es keine Grenzen gibt. Stoff, Pappe, Metall, Glas, sogar Beton, ganz egal um welches Material es sich handelt, mit genügend Kreativität, Talent und dem passenden Werkzeug kann man daraus alles machen. Ein selbstgemachtes Kissen als Geschenk? Kein Thema. Doch gerade wenn Du in Richtung des etwas „handfesteren“ Selbermachens blickst, fällt schnell auf, dass einem immer wieder ein Material begegnet: Holz. Doch handelt es sich dabei wirklich um das beste oder vielfältigste Heimwerker-Material? Wir machen den Check.


1. Umwelt

Gleich der allererste Punkt ist schon ein ziemliches Statement für Holz. Doch werfen wir zunächst einen Blick auf die Konkurrenz:

  • Metall wird umweltschädlich in Form von Erzen abgebaut und muss unter extremem Energiebedarf (Stichwort Kohle) geschmolzen, legiert und weiterverarbeitet werden. Das gilt für Eisen ebenso wie Aluminium
  • Kunststoff besteht meist aus Derivaten von Erdöl. Schon das ist umweltschädlich. Zudem ist schon viel Chemie und Energie im Spiel, bevor erst mal ein Kunststoff entsteht und der bleibt auch Jahrtausende auf der Erde, bis er verrottet
  • Beton ist schon auf der Zement-Seite ein ziemlich umweltschädigender Prozess, benötigt zudem noch immens viel Wasser und so viel Sand, dass er tatsächlich auf der Erde knapp wird (liegt daran, dass nicht jeder Sand geeignet ist)

Und Holz: Da muss nichts abgebaut oder angemixt werden, das wächst einfach immer wieder nach, bei Dir vor der Haustür und das sogar ziemlich fix. Die Hölzer, die Du im Baumarkt bekommst, sind auch noch ökologisch unbedenklich, weil das spezielle Kulturen sind, die nur als Bauholz gepflanzt werden. Damit entnimmst Du weder Sauerstoffproduzenten noch Tier-Heimstätten aus der Natur. Auch die Verarbeitung ist vergleichsweise umweltschonend: Fällen, in Balken und Bretter zersägen, fertig. Falls Du schon mal einen Wetter-Schutzanstrich vernachlässigt hast, weißt Du auch, nach wenigen Jahren in der Natur ist Holz vermodert.

Rohholz

2. Vielfalt

Zugegeben, auch die scharfen, oben erwähnten Holz-Konkurrenten kennen kaum Grenzen, was die Machbarkeit anbelangt. Aus Metall kannst Du ebenso gut eine hauchdünne Nadel machen wie einen dicken Brückenpfeiler. Wo das Holz bei der Vielfalt jedoch zusätzlich mächtig punkten kann, ist sein vielfältiger Look. Metall sieht immer nach Metall aus, Kunststoff immer nach Kunststoff. Aber es gibt keine zwei Holzbretter auf der Welt, die sich eins-zu-eins gleichen, weil Mutter Natur eben keine exakten Duplikate produziert.
Maserung, Farbe, Helligkeit. Es gibt tausende Wege, hierüber zu variieren. Mit Lacken und Lasuren bleibt noch weiterer Spielraum. Die optische Anmutung ist natürlich nur ein Faktor. Denn wenn Du bedenkst, dass Holz eben nicht nur als reines Vollmaterial bestens für DIY-geeignet ist, sondern auch (allerdings umwelttechnisch dann nicht mehr ganz so sauber) in Form von Faserplatten wie etwa OSB, wird die Vielfalt noch ein bisschen größer. Tatsächlich ist die Forschung sogar an einem Punkt angelangt, an dem aus Holz ein „natürlicher Kunststoff“ hergestellt werden kann, der ebenso viel kann, wie „echtes“ Plastik.

3. Einsteigerfreundlichkeit

Natürlich kommt kein DIY-Material ohne Werkzeug zu seiner Bearbeitung aus, das ist klar. Aber was den Grundstock angeht, ist Holz wirklich ein Gewinner. Säge, Hammer, Schrauben und Nägel, damit kannst Du bereits loslegen, wo Du beispielsweise bei Metall erst mal Geld in ein Schweißgerät oder zumindest eine Bohrmaschine mit teuren Metallbohrern stecken müsstest.
Ganz ähnlich sieht es auch bei den nötigen Skills aus: Um selbst ein Bett zu schreinern, braucht es nur Bretter, Schrauben und ein paar Winkelverbinder. Die Bretter kannst Du Dir fertig zuschneiden lassen, den Rest können auch echte Laien hinbekommen, die bislang nur Fertigmöbel zusammengeschraubt haben. Für ein kleineres Projekt wie das hölzerne Rankgitter musst Du auch gar nichts kaufen, sondern einfach beim nächsten Waldspaziergang die Augen auf den Boden richten. Würdest Du dein Kind mit der Laubsäge kleine Frühstücksbrettchen aus Holz sägen lassen? Mit Sicherheit. Könntest Du deinen Kleinen das gleiche auch mit Metallsäge oder Winkelschleifer und einem Stück Stahlblech machen lassen? Eher nicht.

Holzarbeiten

Zudem verzeiht Dir Holz viele Fehler. Eine etwas zitterig gesägt Kante lässt sich mit ein paar Sandpapier-Strichen wieder geradebügeln. Ein schief gesetztes Loch kann abgesägt und neu niedergebracht werden. Du musst keine Bearbeitungstemperaturen wie beim Metall beachten, als Schutz reichen Brille und Staubschutzmaske. Das schont auch das:

4. Budget

Oh Holz-Wunderwelt der entsprechenden Gänge im Heimwerkermarkt. Holz in allen nur denkbaren Längen und Querschnitten. Solange es kein wirklich exklusives Holz sein soll, kommst Du mit einem unglaublich geringen finanziellen Budget aus. Hardcore-Heimwerkerinnen, die dem Trend der Palettenmöbel folgen, kommen mit entsprechenden Quellen sogar weitgehend kostenlos aus.
Allerdings ist das eben auch der einfachen Beschaffung von Holz geschuldet: Es kann einfach im nächsten Wald geschnitten werden. Dieser Kostenfaktor zieht sich auch über alle Zusatzmaterialien. Sägen, Holzschrauben, Leim, Lasuren kosten für Holz wesentlich weniger als für die meisten anderen Baumaterialien. Klar kannst Du Dir auch als Woodworker eine sehr teure und umfangreiche Werkstatt aufbauen, aber Du musst es eben nicht und das ist der große Unterschied.

Fazit: Oh ja!

Es dürfte wohl kaum noch Zweifel geben, wem die Krone als bestes DIY-Material gebührt, sofern Du etwas Stabiles bauen willst. Holz gewinnt in allen Kategorien. Es ist sicher nicht perfekt, denn gerade die Tatsache, dass es sich um ein brennbares Naturmaterial handelt, das nicht so belastbar ist wie manche Konkurrenten, ist ebenfalls vorhanden. Aber: Wer auf Umwelt, Preis und Einsteigerfreundlichkeit achtet, findet wohl kaum ein anderes Material, aus dem auch echte Laien so einfach Dinge vom einfachen Hampelmann für die Kinder bis zum ganzen Terrassendach bauen können. Eine wirklich verdiente Krone!

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