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Viele Nähende kennen das Gefühl: Alles liegt fertig zugeschnitten da und man verspürt plötzlich einen diffusen Respekt vor den nächsten Schritten.
Wer nur gelegentlich mit Strickstoffen arbeitet, der besitzt in der Regel keine Overlock, welche derartige Ängste überflüssig machen würde. Doch keine Sorge – auch mit deiner normalen Haushaltsmaschine kannst Du Jersey bändigen, wenn Du ein paar einfache Tricks kennst.

Cover FAS 17007

Cover Fashion Style 7/2017

Des Nähenden Sorgen: Mythos vs. Wahrheit

Mythos: Ich brauche unbedingt eine Overlock, wenn ich Strickstoffe verarbeiten will.
Wahrheit: Brauchst Du nicht, aber es würde Dir das Nähen zweifellos erleichtern. Allerdings auch nur, wenn Du schon ein bisschen Erfahrung an der „Ovi“ gesammelt hast!

Mythos: Strickstoffe sind viel komplizierter zu vernähen als Seide.
Wahrheit: Auf gar keinen Fall. Manche Strickstoffe sind schwierig, zweifelsfrei, aber wer den Kampf mit rutschiger Seide aufgenommen und gewonnen hat, der muss sich vor nichts mehr fürchten! Manchmal empfiehlt es sich an Stellen, an denen Du sonst „nur“ stecken würdest zu heften, aber das war es dann auch schon.

Mythos: Ich muss Jerseys während des Nähens dehnen.
Wahrheit: Gar keine gute Idee! Wenn Du denn Stoff dehnst, bekommst Du erst recht einen welligen Saum. Willst Du gerade Nähte, solltest du Strickstoffe nicht dehnen.

Mythos: Es ist schwierig, dehnbare Stoffe korrekt zuzuschneiden.
Wahrheit: Es gilt, wie beim Vernähen, die Stoffe nicht zu dehnen! Wenn Deine Stoffbahn vom Zuschneidetisch hängt, solltest Du auf den Fußboden ausweichen. Gedehnte Stoffe verändern die Maße. Davon abgesehen, ist Jersey nicht schwieriger zuzuschneiden als jeder andere Stoff.

Mythos: Mit meiner normalen Nähmaschine kann ich keinen Jersey verarbeiten.
Wahrheit: Alle modernen Nähmaschinen verfügen über Stretch-Stiche, die extra für dehnbare Stoffe gedacht sind. Und selbst ein einfacher, enger Zickzack-Stich eignet sich, wenn Du ein älteres Maschinenmodell besitzt.

Kleine Helferlein: mach Dir das Leben leichter!

  • Gewichte: Ob Nähgewichte oder Maisdosen – Gewicht hilft beim Zuschneiden ungemein. Stell dein Schnittmuster ruhig voll damit. So kann sich der Stoff nicht dehnen und Du kannst ganz in Ruhe Deine Schere schwingen.
  • Jerseynadeln: Sie sind ein wenig abgerundet an der Spitze und verletzen die feinen Strickmaschen daher nicht so schnell, wie es normale Maschinennadeln ggf. könnten. Wie Du es von den Standardnadeln kennst, kommen sie in verschiedenen Stärken.
    70 – für leichte Seide oder Viscosejersey
    80 – für leichten Baumwolljersey
    90 – für Interlock, Punta di Roma, Strickware
  • Clips: Stecknadeln sind unverzichtbare Helferlein, aber beim Nähen mit Jerseys sind Clips die besseren Freunde. Sie halten alles sicher an ihrem Platz und Du kannst sie beim Nähen nicht übersehen.

Meine Tipps für einfaches Säumen:

  • nutze einen dehnbaren Stich. Ich nutze am liebsten den klassischen kleinen Zickzackstich. Wirklich klein. Der Vorteil gegenüber komplexeren Nähten ist, dass er ruckzuck aufgetrennt ist, wenn doch mal etwas danebengegangen sein sollte. Außerdem ist er – sehr eng eingestellt – kaum von einem Geradstich zu unterscheiden.
  • auch den Overlock-Stich solltest Du versuchen. Dieser imitiert, wie es der Name bereits verrät, eine Overlock-Naht und Du kannst damit säumen und die Kanten „hübsch“ machen. Der Grund dafür ist, dass Du die Nahtzugaben sehr kurz schneiden kannst und die Naht dann flach bügelst, statt sie umzubügeln. Daher ist der Stich auch nur bedingt für dickere Stoffe geeignet. Bei Shirts etwa funktioniert das wunderbar.
  • passe den Nähfußdruck an. Wen Du an Deinem Probestück bemerkst, dass Deine Maschine den Stoff beim Transportieren dehnt, ist es hilfreich, den Druck zu verringern.
  • Fadenspannung – Du solltest generell versuchen immer die richtige Spannung einzustellen, wenn Du nähst. Nehmen wir mal an, dass Dein Rädchen Dir eine Skala bis 9 vorgibt, ist 4 eine gute Einstellung für die meisten Bekleidungsstoffe (2-lagig). Eine kleinere Ziffer bedingt einen loseren Stich, für leichtere Stoffe also – oder weniger Lagen.
    Die meisten leichten Strickstoffe benötigen eine geringere Fadenspannung, bei dieser Skala würde ich eine Einstellung auf 3 empfehlen.
Sommerkleid - Jersey

Sommerkleid – Jersey

Jerseykleid

Jerseykleid

 

Ich hoffe, ich konnte Dir Deine Ängste ein wenig austreiben und Du fühlst Dich sicher gewappnet. Denke aber unbedingt immer daran, die Einstellung an Deiner Maschine an einem Reststück auszuprobieren, bevor Du mit Deinem Kleidungsstück beginnst. Wenn Du Dich mit Deiner Maschine und Jersey besser angefreundet hast, wird es immer leichter werden!

 

Jerseyliebe

Jerseyliebe

Nachthemd aus Jersey_Fashion Style 7/2017

Nachthemd aus Jersey

 

 

Damit Du nun gleich ein passendes Projekt für Dich findest, habe ich Dir einige Inspiration aus der aktuellen Fashion Style mitgebracht. Da macht es gleich noch mehr Freude in den tollen Sommerstoffen zu schwelgen und sich dann in den kühleren Abendstunden ganz gemütlich ins Nähzimmer zurückzuziehen. In der linken Hand einen alkoholfreien Mojito und in der rechten die Fashion Style zum Schmökern…