Immer mal wieder erreichen uns zum Thema Schnittmuster Fragen von LeserInnen: Wie zur Hölle soll man durch dieses Wirrwarr an Linien und Zeichen durchblicken?
Mach Dir keine Sorgen, wenn es Dir auch so geht. Der Respekt vor dem Schnittmusterbogen ist zwar unbegründet, aber dennoch total verständlich. Schnittmuster sind eine Wissenschaft für sich und ich kann es sehr gut verstehen, wenn man als Einsteiger ratlos davor sitzt und den Bogen vielleicht auch einfach eingeschüchtert wieder zusammenfaltet, wenn man sich das erste Mal an das Unterfangen „Schnittmuster abpausen“ wagen will.

Damit Du Dich zukünftig aber unbesorgt ans Werk machen kannst, habe ich mir überlegt, dass ich Dir einmal zeige, wie Du Dich in diesem vermeintlichen Chaos zurechtfindest und was Du beachten solltest, um zu einem optimalen Ergebnis zu kommen.

Start der Operation: Schnittmuster abpausen 

Du brauchst

  • Cover Fashion-Style Nr. 2/2018einen Schnittmusterbogen + eine Nähanleitung. Ich habe mich dazu Dir das Prozedere anhand der Hose „Hanne“ aus der Fashion Style 18002 zu erklären und mir die Zeitschrift parat gelegt.
  • Schnittmusterpapier, Architektenpapier oder Bauplane. Ich persönlich mag die etwas dickere Bauplane aus dem Baumarkt am liebsten. Sie ist stabil und lässt sich gut aufbewahren. So kann ich den Schnitt problemlos mehrfach wiederverwenden. Anfangs solltest Du Dir einige Bogen in ca. A 1 zuschneiden. Anschließend kannst Du den den Rest der Plane gefaltet einlagern.
  • für Papier einen Blei-, für Plane einen Folienstift. Ich bevorzuge die Farbe Schwarz, aber das ist natürlich Dir überlassen. Wenn Du viel mit dunklen Stoffen arbeitest, kann es auch Sinn ergeben, etwa Pink zu favorisieren.
  • Gewichte oder Washi-Tape. Damit Folie oder Papier beim Abpausen nicht verrutschen, ist es sinnvoll, diese auf dem Bogen zu fixieren. Persönlich finde ich Washi-Tape zu diesem Zweck praktisch, da es die Teile sicher zusammenhält, sich aber problemlos vom Bogen ablösen lässt, ohne diesen zu zerreißen.
  • einen Schneiderwinkel.
  • optional ein Kurvenlineal. Ich finde es oft hilfreich, aber für einfachere Schnitte ist es nicht unbedingt nötig.
  • Schnittmuster Material

    Schnittmuster Material

    einen Trickmarker, Schneiderkreide oder ein Kreiderädchen. Alle Varianten sind bei mir in reger Benutzung. Je nach Tageslaune und Stoffsorte bzw. Farbe entscheide ich mich für das geeignete Material.

  • eine Stoffschere und eine normale Schere. Niemals(!), niemals wird mit der Stoffschere etwas anderes als Stoff geschnitten – daher sollte eine herkömmliche (gute) Schere immer parat liegen.
  • einen Rollschneider und eine Schneidematte. Diese kleinen Helferlein sind super, wenn Du vermasste Teile hast. Vermasste Schnittteile sind Teile des Schnittes, die ohne Vorlage vom Bogen auskommen. In der Regel sind es einfache Formen wie etwa Rechtecke für den Besatz.
  • Stecknadeln oder Stoffklammern.
  • einen passenden Stoff. Ich habe mich für einen leichten Jersey entschieden.
  • ein Parallelkopierrädchen. Glaub mir, Du brauchst es. Ich würde meines jedenfalls nie wieder hergeben.

Die Vorbereitung

  • Organisiere Dir einen geeignet großen Arbeitsbereich. Notfalls musst Du den Rest der Familie vom Esstisch verbannen und diesen am besten vorher ausziehen. Oder Du machst es so wie ich (bei mir Zuhause) und krabbelst über den Fußboden. Bequemer ist es aber schon, im Sitzen zu arbeiten.
  • Lege Dir alle Materialien zurecht. Ich benutze zum Abpausen die Plane, den Folienstift, den Bogen und die Anleitung, den Schneiderwinkel und das Kurvenlineal sowie Washi-Tape.
  • Bevor Du loslegst, solltest Du immer noch einmal einen Blick auf die Maßtabelle werfen, damit Du sicher gehst, auch wirklich die richtige Größe abzupausen. In der Fashion Style findest Du die Maßtabelle immer auf S. 28 und dort erklären wir Dir auch detailliert, wie Du Deine Maße ermittelst.

Hinweise Hose Hanne Fashion Style 18002

Auf geht´s

Wir wissen, dass unsere begeisterten Fashion Style-Leserinnen in vielen Größen und Formen zu Hause sind. Aus diesem Grund zeigen wir nicht nur im Heft unsere Modelle in der Regel immer an Models in kleineren und größeren Größen, sondern bilden vor allen Dingen die Schnitte in den Größen 34-54 ab. Das finde ich sensationell!

Damit auch unsere Bildfolge für möglichst viele Leser Sinn ergibt, werde ich den Hosenschnitt „Hanne“ in zwei verschiedenen Größen abpausen. Einmal in Größe 40 und einmal in Größe 48.

Der erste Schritt:

  • Zunächst schaust Du Dir den Lageplan an. Dort sind alle Schnittteile so platziert, wie Du sie später auch auf Deinen Stoff übertragen solltest. Außerdem kannst Du hier erkennen, welche Form die Einzelteile aufweisen. Dementsprechend kannst Du sie auf dem Bogen besser erkennen.
    Lageplan Hose Hanne Fashion Style 18002

    Lageplan Hose Hanne Fashion Style 18002

 

  • Hinweis Schnittteile Hose Hanne Fashion Style 18002

    Hinweis Schnittteile Hose Hanne Fashion Style 18002

    Unter der Überschrift „Papierschnittteile abpausen“ findest Du die Ziffern, die Du auf dem Schnittbogen suchen musst. In unserem Fall benötigen wir:
    1: die vordere Passe
    2: das Vorderteil
    3: das Rückenteil
    4: die Hüftpasse mit unterem Taschenteil
    ► zusätzlich benötigen wir Schnittteil 6, dieses wird vermasst angegeben und ist für den Tunnel(-zug). 

Der zweite Schritt:

  • Nun kannst Du den Bogen ausbreiten. Hier ist es Bogen C. Auf dem Bogen suchst Du Dir alle Schnittteile, die in Rot gedruckt sind.
Schnittmuster - die richtige Größe finden

Schnittmuster – die richtige Größe finden

  • Zwischen den vielen Linien stehen auch Zahlen. Die großen, dick gedruckten, sind jene, welche die Schnittmuster identifizierbar machen. Wir benötigen die Teile 1, 2, 3 und 4.
  • Manchmal – so wie hier die 3 – ist eine Zahl doppelt abgebildet. In diesem Fall musst Du beide Schnittteile mit der entsprechenden Ziffer abpausen und diese hinterher zusammensetzen.

  • In der Regel findest Du bei zweigeteilten Schnittteilen einen Hinweis in unserer Anleitung. Auf S. 29 erklären wir Dir genau was „Anschlusslinien“ sind und wie Du mit zweigeteilten Schnittteilen umgehst. In Kürze bedeutet es aber nicht anderes, als dass Du die Teile zusammenkleben solltest.
  • Einige Schnittteile, so wie unsere Nr. 4, sind quasi „Zwei in Eins“. Wenn Du das Schnittteil 4 an der markierten Linie abgeschnitten hast, erhälst Du das obere Taschenteil. Auch diesen Hinweis geben wir Dir natürlich in der Anleitung.
  • Das Schnittteil 3 weist bei „Hanne“ eine weitere Besonderheit auf. Du musst das Teil an der markierten Linie durchschneiden, damit die rückwärtige Passe entsteht.
  • ► Alle diese Hinweise findest Du in jeder Anleitung. Bitte schaue daher immer genau hin, damit Du weißt, welche Teile ggf. eine Doppelfunktion erfüllen.

Der dritte Schritt

  • Wenn Du Dir vorab mehrere Stücke in ~DIN A1 aus der Baufolie zurecht geschnitten hast, musst Du von hier an zwischendurch fast gar nicht pausieren.
  • Streiche Deine Plane möglichst glatt aus und lege Dein Washi-Tape parat.
  • Lege nun Deinen Bogen verkehrt herum auf die Plane. In unserem Fall sollte also Bogen „D“ zu Dir zeigen und das Kästchen mit dem „C“ auf der Plane aufliegen.
  • Auch den Bogen gut ausstreichen und die Mitte des Bogens auf den langen Seiten mit einem Stück Washi-Tape fixieren. Rundum verkleben, dabei immer wieder darauf achten, dass sich keine Falten bilden.
  • Wenn alles gut sitzt, kannst Du den Bogen wenden. Auf dem Foto unten siehst Du, dass ich den Bogen auf allen Seiten gesichert habe. So kann nichts verrutschen.
    Schnittmuster: Bogen und Folie mit Washi-Tape gesichert

    Schnittmuster: Bogen und Folie mit Washi-Tape gesichert

  • Schnapp Dir Deinen Folienstift und die Lineale. Mit welchem Werkzeug Du am besten zurechtkommst, wirst Du im Lauf der Zeit selbst herausfinden. Ich persönlich bin mit Schneiderwinkel und Kurvenlineal sehr zufrieden.
  • Kurzer Reminder: Wir suchen für das Schnittmuster „Hanne“ die Schnittteile 1, 2, 3 und 4.
    Teil 3 ist zweigeteilt und Teile 3 und 4 haben eine Markierung extra: Die dürfen wir nicht vergessen!

Der vierte Schritt

  • Nun geht es endlich ans Zeichnen. Wenn Du alles entdeckt hast, kannst Du überlegen, wie viele Schnittteile Du auf Deinem ersten Stück Plane unterbringen kannst. (Mit etwas mehr Erfahrung solltest Du dazu übergehen, die Planenstücke nicht passend zum Bogen, sondern den einzelnen Schnittteilen entsprechend zurecht zu schneiden. So sparst Du Plane und tust gleichzeitig etwas Gutes für unsere Umwelt!)
Mehrere Schnittteile auf einem Stück Plane

Mehrere Schnittteile auf einem Stück Plane

  • Jetzt musst Du Deine Größe finden. Größe 40 ist in unserem Beispiel „Hanne“ liniert und gepunktet, die Größe 48 ist mit längeren Strichen dargestellt. Orientiere Dich immer an „Deinen“ Zeichen, also an Deiner ermittelten Größe. Auf dem ersten Foto unten siehst Du, dass in Größe 40 drei Schnittteile auf einem Stück Plane Platz finden. Das zweite Bild zeigt die Schnittteile 3 und 1 in Größe 48 auf dem Bogen. Du kannst Deine Notizen einfach in der Mitte der Teile machen.

Schnittteil 3 Hose "Hanne"

  • Manchmal ist es hilfreich die größte Grüße (hier ist es die 54) mit aufzuzeichnen, um sich besser zu orientieren. So hast Du immer eine Art Hilfslinie und kannst das Schnittteil nach Bedarf schon vorab einmal „locker“ mit dem Stift umrunden. So lässt sich auch gut herausfinden, wie viele Teile auf Deinem Stück Plane Platz finden. Wer die Größe 54 benötigt, hat dies Mal Glück gehabt: Sie liegt ganz außen und ist einfach zu identifizieren.
  • Denke unbedingt daran alle Hinweise und auch die abgepauste Größe auf dem Schnittmuster zu notieren. Auf jeden Fall solltest Du auf jedem Schnittteil die „Rahmendaten“ festhalten.

Schnittmuster "Hanne" - Vorderteil

 

Wie Du siehst, sind auf dem fertig ausgeschnittenen Schnittteil alle Hinweise und Beschriftungen, inklusive des Fadenlaufs, gut sichtbar übernommen. So kann ich den Schnitt nach dem Nähen einlagern und weiß auch später noch genau, wie ich vorgehen muss. Hierdurch kannst Du mit einem Schnittmuster viele Hosen aus den verschiedensten Stoffen zaubern!

Apropos Stoffe

Im zweiten Teil dieser Serie zeige ich Dir, wie Du die fertigen Teile auf Deinen Stoff auflegst und alles richtig zuschneidest. Such Dir also schon einmal Deinen Lieblingsschnitt aus der Fashion Style aus – dann können wir zusammen den nächsten Schritt machen!