Willkommen zum zweiten Teil des Abenteuers „Hose Hanne.“ In der Fashion Style versammeln wir Monat für Monat die aktuellsten Schnittmuster der Saison. Wir haben uns das Ziel gesetzt, viele Schnitte in einer breiten Größenrange auf dem Bogen abzubilden – damit Du Deine perfekte Garderobe gestalten kannst! Oft kommen aber Leserinnen auf uns zu, die noch nicht so sicher mit dem Schnittbogen umgehen können.
Wie Du Deine Schnittteile am besten vom Bogen abpaust, erkläre ich Dir daher in diesem Beitrag. Jetzt aber konzentrieren wir uns auf den nächsten Schritt: Die Übertragung der Schnittteile auf den Stoff.

Damit Du gleich mitarbeiten kannst, solltest Du Dir die folgenden Dinge bereit legen:

  • ein Schnittmuster, hier ist es die Hose „Hanne“ aus der Ausgabe 2/18 der Fashion Style in Größe 40.
  • einen geeigneten Stoff. Willst Du so wie ich eine weite, fließende Sommerhose nähen, solltest Du einen bequemen Jersey wählen.
  • einen Trickmarker, Schneiderkreide oder ein Parallelkopierrädchen. Letzteres nutze ich persönlich am liebsten für nicht dehnbare Stoffe.
  • einen Schneiderwinkel
  • Stecknadeln
  • eine Stoffschere

Schnittmuster übertragen: Legen wir los!

Lege Deinen Stoff flach aus. Es sollten keine Falten und Unebenheiten im Stoff zu sehen sein. Falte ihn nun rechts auf rechts (die schöne auf die schöne Seite) zusammen. Die Seite, die geschlossen ist, nennt man Bruch. Die gegenüberliegende Seite sind die Webkanten, das sind die Kanten, an denen nicht geschnitten wurde, sondern der Stoff sauber abschließt. Die Schnittkanten liegen in logischer Folge also oben und unten.

Nun hast Du Deinen Stoff, wie wir Nähfans sagen, „in den Bruch gelegt“.

Nimm Deine Schnittteile und orientiere Dich an dem Lageplan aus der Fashion Style. Lege alle Teile, genau wie es der Plan vorsieht, auf Deinen Stoff aus.

Lageplan Hose Hanne Fashion Style 18002

Lageplan Hose Hanne Fashion Style 18002

Wenn alles passt, kannst Du die Teile locker mit Stecknadeln feststecken und rundherum großzügig ausschneiden. (Diese Methode richtet sich an Anfänger, Fortgeschrittene gehen natürlich sparsamer mit dem Stoff um und stecken gleich genau.) Achte dabei darauf, dass Du an allen Seiten mindestens drei bis vier cm Abstand hältst und nicht versehentlich schief schneidest. Sonst könnte es passieren, dass die untere Stofflage plötzlich eine andere Breite hat als die obige.

Solange Du noch wenig Erfahrung hast, gilt die Devise: von Klein nach Groß, von Einfach zu Schwer. So kannst Du Deine Kenntnisse an den kleineren Zuschnitten austesten und schon einmal mögliche Fehlerquellen aufspüren und ausmerzen.

Nehmen wir uns den Taschenbeutel. Es gilt zu beachten, dass dieser über Rundungen verfügt. Außerdem sind in den Schnittteilen der Fashion Style noch keine Nahtzugaben berücksichtigt. Wie also gehst Du nun vor?

Zunächst steckst Du das Schnittteil rundherum noch einmal gut fest. Nutze so viele Nadeln wie nötig, um sicherzustellen, dass garantiert nichts mehr verrutschen kann. Danach ziehst Du die Konturen des Schnittteils nach. Ich habe das in unseren Bildern mit einen Trickmarker in einem Türkiston gemacht.
Da die Basisfarbe meines Stoffes weiß ist, kann ich ihn gut sehen und stelle trotzdem sicher, dass er später nicht mehr zu sehen ist. Beim Kontakt mit Wasser löst sich die Tinte spurlos auf.

Nun bist Du bereit für den zweiten Schritt: Damit Du Deine Nahtzugabe einzeichnen kannst, benötigst Du ein Lineal oder einen Schneiderwinkel sowie den Trickmarker. An den geraden Seiten der Schnittteile ist es einfacher die Nahtzugabe zu ergänzen. Bei kleinen Teilen eignet sich das Geodreieck aus der Schule, bei größeren Strecken sind Patchworklineale hilfreich.

Grundsätzlich tut es aber auch ein handelsübliches Lineal oder ein Handmaß vollkommen. Dann arbeitest Du einfach mit der „Punktemethode“.
In regelmäßigen Abständen setzt Du einen Zentimeter entfernt von der Konturlinie Punkte mit dem Trickmarker. Bei gerade Strecken reichen – je nach Länge des Teils – schon wenige Punkte aus, um diese mit einer geraden Linie zu verbinden.

Schwieriger ist es an Rundungen und Ecken. Je mehr Punkte Du setzt, desto ebenmäßiger wird Deine Nahtzugabe. Da hat Nähen tatsächlich ein bisschen was mit Mathe zu tun – erinnerst Du Dich daran, dass ein Kreis eigentlich auch nur ein Körper mit unendlich vielen Ecken ist? Nun, nach genau diesem Verfahren gehen wir bei Rundungen vor, wenn die Nahtzugabe eingezeichnet wird.

Je mehr Punkte Du entlang der Kontur in einem Zentimeter entfernt setzt, desto besser kannst Du diese Kurve später mit Deinem Trickmarker nachzeichnen. Es ist übrigens vollkommen unerheblich, ob es um Rundungen bei kleinen, oder großen Schnittteilen geht: Diese Vorgehensweise eignet sich für Einsteiger wunderbar. 

 

Benefit: Natürlich kannst Du selbst bestimmen, wie viel Nahtzugabe Du für Dein Schnittmuster konkret einplanen möchtest. Nennst Du etwa eine Overlock (für Jersey wie diesen SEHR praktisch) Dein Eigen, kannst Du die Maße so festlegen, wie es für Dich und Deine Maschine am besten passt.

In aller Kürze sind dies die ersten Schritte – bei größeren Teilen musst Du unbedingt berücksichtigen, dass Du deutlich mehr Nadeln steckst. Mach es quasi sicher gegen Panzerknacker. So verrutschen auch fiese, glatte Viskose-Stoffe nicht gegen Deinen Willen.

Abgesehen davon musst Du immer die Quadratur des Kreises, so heißt es Album der band Freundeskreis, im Kopf behalten. Denn wie wusste schon Max Herre: „Wenn der Vorhang fällt, sieh hinter die Kulissen“. Was für uns Nähfans nichts anderes bedeutet, als dass auch die größten Designer einmal ganz klein angefangen haben. Zum Beispiel mit türkisen Punkten auf einem Jerseystoff.

Jetzt aber nix wie ran an Deine Nähmaschine – ich wünsche Dir viel Spaß mit Deiner neuen Sommerhose „Hanne“!