Gerade hast Du Dein Traum-Modell in einer Zeitschrift entdeckt und es steht fest: Diesen Pulli musst Du haben!

Leider ist er nur in Größe 34/36 beschrieben und Deine Größe ist 38/40?

Oder Du hast ein wunderschönes Garn gekauft, das perfekt zu Deiner neuen Lieblingshose passt, sich aber leider in Lauflänge und Zusammensetzung vom angegebenen Garn unterscheidet?

Oder das angegeben Garn gibt es gar nicht mehr und Du musst mit einem Ersatzgarn stricken?

Alles kein Problem! Das Umrechnen in Deine Größe oder auf Dein Garn ist ganz einfach!

So geht´s:

Schritt 1:

Die Maschenprobe: unbeliebt, aber megawichtig! Sie sollte mindestens 12 x 12 cm groß sein und mit Deinem Garn im angegebenen Muster gearbeitet werden. Die fertige Maschenprobe wird in einer Höhe und Breite von je 10 cm ausgezählt. Jetzt gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  1. Du hast das angegebene Originalgarn und die Größe ist auch o.k. Stimmt nun die Anzahl der Reihen und Maschen Deiner Probe mit den Angaben in der Arbeitsanleitung überein, kannst Du Dich freuen! Du musst nichts ändern und kannst gleich loslegen! Ist Deine Maschenprobe etwas kleiner, arbeite eine 2. Probe mit dickeren Nadeln. Ist sie zu groß, probier es nochmal mit dünneren Nadeln.
  2. Du kommst mit der angegebenen Größe nicht zurecht. Um die richtige Größe zu ermitteln, überträgst Du am besten die Maße eines gut sitzenden Pullis aus Deinem Bestand auf den im Heft gezeichneten Schnitt.
  3. Du arbeitest mit einem völlig anderen Garn. Dadurch weicht deine Maschenprobe wahrscheinlich so ab, dass Du auf jeden Fall neu berechnen musst.
Schnittmuster
Maschenprobe
Strickmuster1
Strickmuster2

Linie 426 Cotton SmoothAm Beispiel des apricotfarbenen Pullis aus der ANNA 3/2013 (siehe Foto) wollen wir mal die erforderlichen Maschen- und Reihenzahlen berechnen. Da es das angegebene Garn nicht mehr gibt, arbeiten wir mit dem Garn „Linie 426 Cotton Smooth“ von Online.

 

Schritt 2:

Du fertigst eine Maschenprobe in diesem Garn an

19 Maschen und 30 Reihen sind bei unserem Läppchen 10 x 10 cm. 1 cm im Quadrat sind demnach 1,9 Maschen und 3 Reihen. Mit diesen Zahlen musst Du arbeiten. Angenommen Deine Maße entsprechen der 2. Größe im Schnitt, deshalb rechnest Du mit den Zahlen in Klammern. In Anleitungen werden üblicherweise halbe Schnitte gezeichnet, d.h. die angegebene Breite muss verdoppelt werden. Bei unserem Beispiel muss die Rechnung so aussehen:

25,5 x 2 = 51 cm benötigte Breite, also: 51 x 1,9 = 96,9 Maschen. In diesem Fall rundest Du auf 97 Maschen auf. Du beginnst mit dem Muster der Strickschrift 1. Hier muss die Maschenzahl teilbar sein durch 8 + 1 + 2 Rdm. Also: 97- 1- 2 = 94 : 8 = 11,75. Das passt leider nicht! Du musst die Maschenzahl erhöhen auf 99 M. 99- 1- 2 = 96 : 8 =12. So passt es. Du erhälst 12 x den Mustersatz + 1 + 2 Rdm. So kannst du stricken. Dein Pulli ist nun 99 : 1,9 = 52 cm breit. Nach 32 cm = 96 Reihen (96 : 3 = 32) ist das 1. Muster beendet. Nun strickst Du laut Strickschrift 2 weiter. Nach 42 cm = 126 Reihen (42 x 3 = 126) ab Anschlag beginnst Du mit den Zunahmen für die angeschnittenen Ärmel. Die Schrägung soll 1,5 cm in der Höhe betragen. Das sind 1,5 x 3 = 4,5 Reihen. Du rundest ab auf 4 Reihen. Der Ärmel soll 18 cm lang sein. Das ergibt folgende Zunahmen: 18 x 1,9 = 34 Maschen. Da die Maschenzahl durch den Mustersatz von 8 Maschen teilbar sein muss, rundest Du ab auf 32 Maschen. Du nimmst beidseits 10 Maschen zu und in jeder 2. Reihe noch 1 x 10 und 1 x 12 Maschen = 32 Maschen Zunahme. Nach 59,5 cm = 178 R ab Anschlag nimmst Du für die Schulterschrägungen, die ja auch 1,5 cm Höhe haben sollen, die zugenommenen Maschen wieder ab: 1 x 12, in der folgenden 2. Reihe 1 x 10 und in der folgenden 2. Reihe die restlichen 119 M. Davon gehören die äußeren je 29 Maschen zur Schulter, die mittleren 61 Maschen (16 x 2 = 32 x 1,9 = 60,8 aufgerundet 61 Maschen) bilden den Halsausschnitt. Das kannst Du sehr schön auf dem Notiz-Zettel auf dem Foto erkennen.

So, das Rückenteil ist geschafft! Jetzt ist es nicht mehr viel Rechnerei. Das Vorderteil wird nämlich bis auf den V-Ausschnitt genauso gearbeitet. Die Abnahmen für den Ausschnitt berechnest Du so: Nach 42 cm = 126 Reihen ab Anschlag kettest Du die Mittel-Masche ab, um zwei gleich Hälften zu bekommen. Am Halsausschnittrand nimmst Du Maschen ab. Du hast laut Schnitt 19 cm = 57 Reihen Ausschnitthöhe zur Verfügung. Beim Rückenteil hast Du schon eine Maschenzahl von 61 Maschen für den Halsausschnitt errechnet. Die Mittel-Masche wird abgekettet, es bleiben 60 Maschen : 2 = 30 Maschen je Vorderteilhälfte. Du rechnest also: 57 (aufgerundet 58 ) Reihen : 30 Maschen = 1,93 Reihen (aufgerundet 2 Reihen). Das bedeutet, Du musst in jeder 2. Reihe 30 x je 1 Masche abketten. Das ergibt 60 Reihen. Leider hast Du aber nur 58 R = 58 : 2 = 29 Möglichkeiten zur Abnahme. Das kannst Du am besten so lösen: Anstelle 1 Mittel-Masche kettest Du 3 Mittel-Maschen ab und in der folgenden 2. R 1 x 2 M. Es bleiben 27 M je Seite. Nun kannst Du 27 x in jeder 2. Reihe je 1 M abnehmen und hast in Rückenteilhöhe alle Halsausschnitt-Maschen verbraucht.

Anna Nr. 7/2018

 

Das war´s! Du hast es geschafft und kannst loslegen!

Du wirst sehen, mit ein wenig Übung bekommst Du das in kurzer Zeit perfekt hin! Und es gibt Dir das Gefühl der Unabhängigkeit von vorgegebenen Garnen und Größen. Ist das nicht wunderbar?

Übrigens – ganz neu – habe ich jetzt in der Anna die Strickmodelle des Modeteils bis Größe 48/50 umgerechnet. So kannst du in deiner Größe gleich loslegen, wenn du dasselbe Garn benutzt.

Die neue Anna bietet schöne Strickmodelle für heiße Tage, mein Favorit ist das Titelmodell im Streifenlook!

Anna Redakteurin Helga Grebenstein

Helga Grebenstein

Helga Grebenstein ist seit über 30 Jahren als selbstständige Redakteurin zahlreicher Strick- und Häkelzeitschriften tätig. Unter anderem ist sie für den Modestrickteil der Zeitschrift Anna verantwortlich. Mit großem Fachwissen und sicherem Geschick kombiniert sie Mustervielfalt und Schnittführung, so dass Ihre Modelle zu neuer Lieblingskleidung in unseren Schränken führen.