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In der Welt der Nähbegeisterten gibt es aktuell ein Thema, an dem niemand vorbei kommt: Jersey nähen! Zuerst eroberte dieser Stoff den Bereich der Kinderbekleidung, dann Taschen und Deko, und jetzt auch den Bereich der Damenmode. Aufgrund seiner Dehnbarkeit ist Jersey sehr vielseitig einsetzbar und sehr bequem, allerdings nicht ganz einfach zu nähen. Daher haben wir Mechthild Wichard, bekannt von „Miou Miou Schnittmuster“ und Autorin des Buches „Jetzt näh` ich für mich“- Lieblingsshirts aus Jersey nach ein paar Profi-Tipps gefragt!

Liebe Nähbegeisterte und Jersey-Liebhaber,

Anfang März ist mein erstes Buch „Jetzt näh` ich für mich“- Lieblingsshirts aus Jersey im Christophorus Verlag erschienen und wurde dank der starken Nachfrage bereits nach kurzer Zeit nachgedruckt. Ein voller Erfolg, der mich sehr glücklich macht! Mein Label „Miou Miou Schnittmuster“, mit Einzelschnitten und E-Books ist allerdings schon seit fast 20 Jahren auf dem Markt und viele Hobbyschneiderinnen schätzen die Schnittmuster für Damen, Damen XL und Kinder besonders wegen der guten Passform.

Bei einem Nähfestival entstand dann die Idee zum Buch, ganz wunderbar, wie gut es dann gleich angekommen ist! In meiner Kreativgruppe „Miou Miou & Du“ bei Facebook präsentierten glückliche Leserinnen schon nach kürzester Zeit ihre ersten genähten Modelle aus dem breiten Spektrum der gezeigten Schnittmuster. Ist ja auch unbestritten eins der schönsten Hobbys der Welt: Das Nähen und Gestalten mit Stoffen!

Der Erfolg des Buches hängt natürlich nicht zuletzt auch mit dem äußerst gefragten Thema: „Jersey nähen“ zusammen! Denn egal ob Einsteiger oder geübte Näherin, alle lieben dieses weiche und anschmiegsame Material und möchten ihre neuesten Kreationen mit Jersey oder ähnlichen Stoffen wie Sweat- oder Strickwaren umsetzen.
Mit diesem Blog-Beitrag möchte ich Dir das vielseitige Material Jersey und dessen Verarbeitung noch ein wenig näher bringen.

 

Kleine Materialkunde

Jersey ist der Sammelbegriff für dehnbare und weiche Maschenware, meist aus Baumwolle oder Baumwollmischungen mit einem Elastananteil. Je nach Strickart werden weitere Arten unterschieden.

  • Singlejersey: Die Maschen erscheinen auf der linken Seite anders als rechts und die Kanten rollen stark ein.
  • Interlock Jersey: Rechte und linke Stoffseite sehen gleich aus und die Kanten rollen sich nicht ein.
  • Sweatshirtstoffe: Eine elastische Maschenware, die auf der Innenseite aufgeraut ist, warm und weich im Griff, aber oft sehr viel weniger dehnbar als z.B. Singlejerseys.
  • Sommersweat: Die etwas feinere Variante des Klassikers, denn dieser Sweatstoff ist innen nicht aufgeraut, sondern bildet auf der Innenseite kleine Schlingen.
  • Nickystoff: Bezeichnung für elastische Wirkware aus Baumwoll- oder Chemiefaser mit samtartiger Oberfläche und weichem Griff.
  • Bündchenware: Äußerst elastische und gleichmäßige Strickware bei denen sich rechte und linke Maschen abwechseln und in Längsrichtung durchgehende Rippen bilden. Wird häufig auch als Schlauchware angeboten.

 

Tipps für den Zuschnitt

  • Bitte beachte: Auch bei Jersey und Co solltest Du den sogenannten Maschenlauf berücksichtigen. Dieser verläuft immer parallel zur Stoffkante. Beim Zuschnitt werden die Schnittteile dann mit dem eingezeichneten Maschenlauf parallel zur Stoffkante aufgelegt.
  • Wenn Du ein Schnittmuster abpaust, zeichne die Nahtzugaben schon gleich mit an, dann brauchst Du anschließend nur noch rundherum ausschneiden.
  • Für den Zuschnitt von dehnbaren Stoffen kannst Du entweder eine Schneiderschere oder einen Rollschneider mit Schneidmatte verwenden.

 

Jersey nähen

Die passende Nähmaschinennadel:

  • Für dehnbare Stoffe solltest Du immer eine Jerseynadel verwenden. Diese hat eine abgerundete Spitze, die verhindert, dass beim Nähen Maschen verletzt werden. Jerseynadeln gibt es in verschiedenen Nadelstärken und sollten passend zum Material ausgewählt werden.
  • Für das Nähen dehnbarer Säume eignet sich am besten eine Zwillingsnadel. Sie bildet mit zwei Ober- und einem Unterfaden zwei parallel verlaufende, elastische Nähte. Zwillingsnadeln erhält man in verschiedenen Breiten und Nadelstärken.

 

Tipps zum richtigen Maschinenstich:

  • Zum Verarbeiten von Jersey reicht tatsächlich schon eine ganz einfache Nähmaschine aus. Zum Nähen verwendest Du dann einen schmal eingestellten Zickzackstich, d. h. die Stichlänge bleibt normal, aber die Stichbreite wird verringert. Die Nadel sticht dann nicht mehr ganz so weit nach rechts und links ein, doch schon durch das leichte Zickzacknähen wird die Naht dehnbar und strapazierfähig.
  • Verfügt Deine Nähmaschine über Spezialstiche, verwende für das Zusammennähen der Teile einen Doppel- oder Dreifach- Stretchstich, denn dieser ist extrem dehnbar und reißfest.
  • Versäubere die Nähte immer erst nach dem Zusammennähen mit einem Zickzackstich oder einem Spezialstich Deiner Nähmaschine (z. B. einem geschlossenen Overlockstich). Versäubere keinesfalls die Kanten schon im Vorfeld, denn dann besteht die Gefahr, dass sich diese zu stark ausdehnen, sich wellen und anschließend würde kein Schnittteil mehr zum anderen passen! Ausnahmen gibt es zwar wie immer auch hier, z. B. bei Nähten an die man im Verlauf des Nähens nicht mehr herankommt, aber darauf wird in meinen Anleitungen immer gesondert hingewiesen.
  • Wenn Du stolze Besitzerin einer Overlockmaschine bist, kannst Du mit dieser natürlich auch gleichzeitig nähen und versäubern. Beachte dann aber, dass Du etwas weniger Nahtzugabe benötigst als beim herkömmlichen Nähen und anschließenden Versäubern.

Wie ich es mache: Besonders haltbar und strapazierfähig sind die Nähte, wenn man diese zuerst mit dem Doppel-Stretchstich oder schmal eingestellten Zickzackstich zusammennäht und anschließend die Kanten mit der Overlockmaschine versäubert.
Übrigens: Wenn Du die Nähte nach dem Nähen noch mit einem Doppelstich zur Zierde absteppst, reicht es, diese vorher nur mit einem Gradstich zusammen zu nähen.

 

Wie verhindere ich, dass der Stoff am Anfang in die Stichplatte gezogen wird?

Achte darauf, dass Du eine Jerseynadel mit intakter Spitze verwendest. Beginne mit dem Nähen immer im Stoff und nicht zu knapp an der Kante. Nähe ein paar Stiche nach vorn und dann erst rückwärts, wieder nicht über die Kante hinaus… so hat der Stoff keine Chance „gefressen“ zu werden!

 

Tipp zum Nähgarn:

Verwende lieber kein billiges Garn, denn die Qualität lässt hierbei oft zu wünschen übrig, es reißt schneller und ist oft nicht so schön glatt und gleichmäßig verarbeitet wie ein hochwertiges Nähgarn.

 

Knopflöcher und Druckknöpfe bei dehnbaren Materialien:

Die Stelle an der ein Knopfloch eingearbeitet werden soll, muss auf jeden Fall mit einer Bügeleinlage beklebt werden. Manche Nähmaschinen verfügen sogar über eine spezielles Knopfloch für dehnbare Stoffe. Wenn Du Ösen oder Druckknöpfe einschlägst, lege immer ein Stückchen Baumwollstoff mit darunter, das verhindert das Ausreißen von Öse oder Druckknopf in dehnbarem Material. Auch ein Stück Leder oder „SnapPap“ (waschbares Textilmaterial in Lederoptik) ist perfekt zum Unterlegen und unterstreicht dazu noch eine coole, sportliche Verarbeitung!

Viel Spaß also beim Umsetzten meiner Tipps zum Thema „Jersey nähen“ und weiterhin viel Erfolg bei Deinen nächsten wunderbaren Nähprojekten!

Eure Mechthild Wichard

Mechthild-Wichard

Miou Miou Schnittmuster – das Label, 1998 von Schnittdirektrice und Bekleidungstechnikerin Mechthild Wichard gegründet, steht seit fast zwanzig Jahren für professionelle Schnittmuster. Das Konzept: Jeder Schnitt hat verschiedene Varianten und mehrerer Schwierigkeitsgrade. So kommen Anfänger wie Fortgeschrittene auf ihre Kosten. Miou Miou vertreibt ihre Schnitte bisher erfolgreich als Einzelanleitungen online und im Fachhandel.

In diesem Frühjahr erschien das Buch „Jetzt näh‘ ich für mich! – Lieblingshirts aus Jersey“. Das Buch ist die erste gedruckte Sammlung ihrer wundervollen Nähideen und sofort sehr erfolgreich – die erste Auflage war sofort vergriffen! Zum Glück ist die nächste Auflage nun wieder im Handel erhältlich.