Zuhause bei Petra Bäck

Wie entstehen eigentlich Strickzeitschriften? Wer strickt die Modelle? Und wie wird in einer Zeitschriftenredaktion gearbeitet? Wir sind zu Besuch bei Petra Bäck, die seit 30 Jahren Chefredakteurin des Strickjournals Sabrina ist. Auch für die vier Mal jährlich erscheinende Zeitschrift Stricktrends ist sie verantwortlich. Heute besuche ich sie in ihrem Redaktionsbüro, das sie bei sich zuhause in Offenburg eingerichtet hat.

Die Redaktion

Zuhause bei Petra BäckNein, kreatives Chaos, wie ich es in der Redaktion einer Handarbeitszeitschrift erwarte, sehe ich hier nicht. Das kleine Redaktionsbüro von Petra Bäck ist picobello aufgeräumt. Zwei Schreibtische mit Bildschirmen, Regalfächer sowie Utensilos mit Wollknäulen und Musterproben: viel mehr ist da nicht. In den Regalen stapeln sich Strickpullover und Jacken. Für jede Zeitschriftenausgabe ein Regalfach, in dem die jeweiligen Modelle feinsäuberlich zusammengelegt sind. „Jedes Jahr gehen rund 600 Modelle über meinen Schreibtisch“, sagt Petra Bäck. „Da muss man ganz einfach Ordnung halten, sonst hat man keine Chance.“

Ihr Redaktionsbüro teilt Petra Bäck mit ihrer Assistentin Sabine End. Die beiden arbeiten immer gleichzeitig an mehreren Zeitschriftenausgaben, die sich in unterschiedlichen Produktionsstufen befinden. Während bei der einen erst das Konzept entsteht, sind für die nächste schon die Pullover gestrickt. Das Konzept fürs Heft macht Petra Bäck. Sie gibt die Themen für jede einzelne Ausgabe vor und instruiert dann die Strick-Designerinnen. Rund zehn Designerinnen arbeiten für die Sabrina. Sie entwerfen Modelle, die zu den von Petra Bäck vorgegebenen Themen passen und schicken Skizzen. Auch sie selbst entwirft immer wieder Teile der Kollektionen.

Zuhause bei Petra Bäck

Anhand der Skizzen wählt Petra die Modelle aus, die sie in der Sabrina zeigen möchte. Mit ihrer jahrzehntelangen Erfahrung und ihrem Gespür für Mode kann sie treffsicher beurteilen, welche Farben und Schnitte in der Strickmode angesagt sind und bei den Leserinnen gut ankommen. Strickerinnen werden beauftragt, nach den Skizzen die Pullover und Jacken anzufertigen. Die Strickerinnen schicken dann die fertigen Modelle an die Redaktion. Vier Redakteurinnen und Sabine End schreiben die Anleitungen. „Ein echter Knochenjob“, wie Petra Bäck sagt. Zwei Korrekturläufe sorgen dafür, dass die Anleitungen möglichst fehlerfrei gedruckt werden.

Die Shootings

Höhepunkte in der Produktion sind immer die Foto-Shootings, denn natürlich müssen die Modelle schön in Szene gesetzt werden. Die meisten Shootings finden in der Region statt, aber wenn im tiefsten Winter die Shootings für die Sommerausgaben in den Kasten müssen, fliegt das Team auch schon mal auf die Kanaren. „Wenn die Models im Hochsommer Wintermode präsentieren, ist ihnen zu warm. Aber wenn sie sich in Eiseskälte in Sommersachen fotografieren lassen sollen, sehen sie ganz blaugefroren aus“, erzählt Bäck. Aus diesem Grund müssen einige Shootings außerlandes stattfinden.

Das Erfolgskonzept

Vor 30 Jahren konkurrierte die Sabrina mit mehr als zehn weiteren monatlich erscheinenden Strickzeitschriften – Mitte der 80er Jahre gab es einen großen Strickboom, der viele neue Hefte auf den Markt beförderte. Heute ist Sabrina die einzige Strickzeitschrift mit zwölf Ausgaben jährlich. Natürlich wurde das erfolgreiche Strickmagazin im Lauf der Jahrzehnte immer wieder im Layout angepasst. „Aber wir haben immer darauf geachtet, dass der Wiedererkennungswert erhalten bleibt“, erzählt Petra Bäck. Sabrina richtet sich an die erfahrene Strickerin, die gern Muster strickt. Inspirieren lässt sich Petra Bäck auf Messen wie der Fashion Week und der H&H in Köln. Auch in der Fachliteratur und im Internet ist sie immer auf der Suche nach neuen Ideen und Entwicklungen. Sie jagt dabei aber nicht jedem Trend hinterher, denn diese sind oftmals so kurzlebig, dass sie sich nicht unbedingt zum Stricken eignen. Schließlich wollen die meisten Strickbegeisterten nicht viel Mühe und Geld in ein neues Teil stecken, das im Folgejahr schon nicht mehr tragbar ist.

Strickt Petra Bäck eigentlich noch selbst?

Von Jugend an ist Petra Bäck begeisterte Strickerin. Privat lässt sie vor allem im Herbst und im Winter die Nadeln klappern. Für die Sabrina strickt sie jedoch nur ganz selten Modelle. Aber kürzlich hat sie anlässlich des Sabrina-Jubiläums mal wieder etwas für die Zeitschrift gestrickt: Was es geworden ist, wird hier noch nicht verraten, denn das ist eine Überraschung in der Ausgabe Nr. 11!