Beitragsbild-Rundnadelstop

Zum Stricken braucht es nicht viel – Wolle und Stricknadeln reichen erst mal – und man kann es überall machen, ob gemütlich daheim auf der Couch, in der Mittagspause, in der Bahn, auf der Parkbank, im Wartezimmer, auf der Strandliege … die Nadeln kann man immer und überall klappern lassen. Das Stricken hat in den letzten Jahren den altmodischen Touch abgelegt und ist wieder richtig hip geworden. Stricken kann jeder (lernen), egal ob jung, ob alt, ob Frau oder Mann … traut euch und versucht es mal. Und damit es noch ein klein wenig einfacher geht, habe ich ein paar kleine Strick-Tipps und -Tricks. Probiert es einfach mal aus …

Egal, ob als Strickanfänger mit keiner bzw. wenig Erfahrung oder als „alter Strick-Hase“ kleine Strick-Tipps und -Tricks erleichtern das Stricken bzw. das Drumrum manchmal ungemein. In meinem Stricktreff kommt immer mal wieder die Frage nach einem „Kniff“ und fast jeder hat doch so eine kleine Hilfe, die aus der Not heraus entstanden ist, oder einen Tipp, den man mal irgendwo selbst bekommen hat … oftmals sind es die kleinen Dinge, die einem das Strick-Leben erleichtern.

 

1.         Kein Verzählen mehr

Zählhilfe

Das kennt sicherlich jeder … endlich beginnt man ein neues Strickprojekt – z.B. einen Pulli – und soll hierzu z.B. 125 Maschen anschlagen. Spätestens nach den ersten 40 Maschen verzähle ich mich, weil ich unterbrochen werde oder abgelenkt bin. Tja, dann geht das zählen – vielleicht wenn man auch schon bei 102 Maschen war – wieder von vorne los. Wie ärgerlich! Deshalb schlage ich immer nur 20 Maschen an und hänge dann eine Büroklammer (das ist meine persönliche Alternative zum Maschenmarkierer) ein. Sollte ich mich dann verzählen, kann ich einfach bei der letzten Büroklammer wieder mit dem Zählen beginnen. In der nächsten Reihe nehme ich die Büroklammern dann wieder raus.

Auch bei großen Strickstücken oder bei Mustern mit viel „Zählerei“ hänge ich gerne die Büroklammern ein, um nicht bei jeder Reihe eine gewisse Maschenanzahl mitzählen zu müssen. Und Büroklammern, bzw. auch ein einfacher andersfarbiger und zusammengeknoteter Faden oder auch ein Maschenmarkierer ist immer irgendwie zur Hand.

 

 

2.         Vorderseite des Strickstücks markieren

Markierung

Gerade bei großen Tüchern oder Strickstücken bei denen in regelmäßigen Reihenabständen zugenommen werden muss und welche z.B. in kraus rechts oder auch im Perlmuster gestrickt werden (bzw. bei allen Mustern, bei denen die Vorder- und Rückseite gleich oder sehr ähnlich sind), ist es oft schwer zu erkennen, ob ich gerade in einer Zunahme-Reihe bin oder in einer „normalen“ Reihe, in der sozusagen „nichts“ passiert. Hier ist ein ganz einfaches Hilfsmittel einen andersfarbigen Faden jeweils in den Reihenanfang mit einzuknoten bzw. einzustricken. So sind z.B. die „Zunahmereihen“ optisch ganz einfach zu erkennen.

 

 

3.         Maschenproben stricken und archivieren

Maschenprobe

Mal Hand aufs Herz … strickst du Maschenproben? Ja, ich gebe es zu, manchmal – gerade bei kleinen Projekten – verzichte ich auch auf die Maschenprobe. Aber gerade bei Strick-Projekten, die wirklich gut passen sollen (Pullis, Jacken, etc.) macht eine Maschenprobe wirklich Sinn. Dies kann wirklich sehr viel Zeit sparen, denn wer hat schon Lust zu ribbeln?! Außerdem empfehle ich die Maschenproben aufzuheben und diese mit allen wichtigen Informationen (Name des Garnes, Hersteller, Farbnummer, Nadelstärke, ggf. Name des Musters, ggf. persönliche Notizen zum Garn etc.) zu beschriften. Nicht nur, dass es eine schöne Sammlung ergibt, diese Informationen und Maschenproben können irgendwann Entscheidungsträger für weitere Strickprojekte werden.

 

 

4.         So rutschen die Nadeln nicht von der Rundstricknadel

Es gibt wohl für Stricker/innen nichts ärgerliches, als wenn Maschen von der Nadel rutschen und sie mühevoll wieder aufgefädelt werden müssen. Gerade wenn man unterwegs ist und die Stricksachen in der Tasche verstaut und auch sehr „rutschige“ Wolle verstrickt, ist es schnell passiert. Mit einem „zweckentfremdeten“ Verschlussclip kann man hier ganz einfach Abhilfe schaffen. Das Seil der Rundstricknadel wird hier direkt nach der Nadelspitze in das Gelenk des Verschlussclips eingelegt und verschlossen (siehe Foto oben). Aber bitte vorsichtig zudrücken bzw. ggf. eine größeren Verschlussclip verwenden, damit das Seil nicht beschädigt wird.

 

 

5.         So rutschen die Nadeln nicht vom Nadelspiel

Nadelspiel-Stop

Das gleiche Problem stellt sich natürlich auch bei einem Nadelspiel. Um das lästige „runterrutschen“ der Maschen bzw. auch hier das rausrutschen einer ganzen Nadel zu verhindern, sollten die Nadeln gesichert sein. Es gibt hierfür chice „Nadelboxen“ … aber auch mit einem einfachen Gummiband können die Nadeln zusammengehalten werden. Hierzu werden die Gummibänder einfach am Ende der Nadeln mehrmals um die Nadeln geschlungen.

 

 

6.         Markieren der Reihe in einer Strickschrift

Strickschrift-Marker

Inzwischen sind viele Strickanleitungen auch mit einer Strickschrift bzw. einem Chart versehen, was das Strickmuster optisch einfach noch mal schöner darstellt. Ich habe schon einiges ausprobiert, um die Strickschrift zu lesen bzw. die Zeile, deren Angaben ich gerade stricke, zu markieren. Von einem Lineal, das ich aufgelegt habe … dann aber irgendwann verrutscht, bis zu einem Leuchtstift, mit dem ich jede gestrickte Reihe markiere, bis hin zu einem teuren Magnet-Baord (was aber unterwegs manchmal einfach umständlich ist) … ist meine liebste und einfachste Lösung Post-It’s auf die Strickschrift zu kleben. Manchmal eins … manchmal aber auch mehrere, wenn die Anleitungsreihe besonders lang ist. Ein einfaches Mittel, was absolut seinen Zweck erfüllt. Wenn ich die aktuelle Reihe fertig gestrickt habe, klebe ich das Post-It einfach eine Zeile weiter nach oben und weiter geht’s.

 

 

7.         Angefangene Wollknäuel gegen verheddern sichern

Wollknäuel-groß

Bei jedem Strickstück bleiben immer kleine oder auch größere Mengen an Wolle übrig. Ich bewahre diese angestrickten Wollknäuel dann in einer „Restekiste“ auf, aber meist verheddern sich diese regelmäßig, da die Enden der Knäuel lose herumhängen bzw. sich wieder lösen, was regelmäßig zu einem Faden-Chaos führt. Bei den größeren Knäuel verwende ich eine Wäscheklammer, mit der ich das Fadenende an den Knäuel „festklammere“.

 

 

8.         Kleinere Wollreste aufwickeln und verheddern verhindern

Wollknäuel-klein

Bei den kleineren Wolleknäuel, die ich teilweise schon mit der Hand dann zu kleinen Kugeln gewickelt habe, hält eine Wäscheklammer nicht mehr. Hierfür verwende ich Haarklammern, um das Fadenende zu fixieren.

 

 

9.         Strick-Tagebuch

Stricktagebuch

Ich habe es mir schon vor langer Zeit angewöhnt, dass ich mir zu all meinen Projekten Strick-Notizen mache (u.a. welche Wolle verstricke ich, Infos zur Maschenprobe und ggf. zur Umrechnung, Nadelstärke, welche Änderungen der Anleitung habe ich vorgenommen, meine persönlichen Hinweise zu dem Strickprojekt etc.). Hierzu klebe ich mir auch die Banderole mit ein bzw. auch ein kleines Stück der Wolle. Somit sehe ich auf einen Blick die wichtigsten Infos bzw. es hat mir schon oft geholfen, wenn ich ein Strickstück „reparieren“ musste oder etwas anstricken oder nachstricken wollte. Außerdem ist es eine schöne Erinnerung und ein kleines Trophäen-Tagebuch, was man schon alles gestrickt hat.

 

 

10.      Safety Line – Immer auf der sicheren Seite

Safetyline

Bei größeren und auch besonders aufwändigen Mustern empfehle ich von Zeit zu Zeit eine Safety Line … also einen Rettungsfaden mit einzuziehen. Ich glaube das hat jeder schon mal erlebt, dass man ein grandioses, sehr aufwändiges Muster strickt und erst Reihen später merkt, dass man einen oder auch mehrere Fehlerchen mit eingebaut hat. Dann heißt es … alles einmal zurückstricken und das nimmt wirklich viel Zeit in Anspruch – vor allem wenn Umschläge, Verzopfungen und andere Maschenkombinationen zusammentreffen (besonders beliebt auch beim Lace-Stricken). Nervenaufreibend! Dabei will man ja vorwärts- und nicht rückwärts stricken. Auch die Nadeln komplett rauszuziehen und aufzutrennen ist bei manchen Mustern nur sehr schwer bis manchmal auch gar nicht machbar.

Für eine Safety Line nehme ich einen andersfarbigen dünnen Wollefaden und fädle diesen mit einer Nadel durch alle aktiven, gerade auf der Nadel befindlichen Maschen. Somit liegen alle Maschen nun auf der Nadel bzw. auch auf dem „Rettungsfaden“. In der nächsten Reihe muss nur darauf geachtet werden, dass ausschließlich die Wolle eures Strickstücks gestrickt wird und nicht der „Rettungsfaden“. Nun kann fröhlich weitergestrickt werden. Sollte sich dann ein Fehler einschleichen ist kein lästiges und stundenlanges Zurück-Stricken oder „Maschen auffangen“ angesagt.

Aufgrund der Safety Line kann einfach die Nadel rausgezogen und alles bis zum Rettungsfaden aufgeribbelt werden. Hier lässt sich durch den eingezogenen Faden automatisch nicht mehr auftrennen. Nun die Maschen entlang der Saftey Line wieder auf die Nadel nehmen und es kann wieder weitergestrickt werden. Klar, geribbelt werden muss, aber eben nur bis zum Rettungsfaden.

Außerdem notiere ich mir im Strickmuster immer kurz, in welcher Reihe ich den „Rettungsfaden“ eingefügt habe, somit erspare ich mir bei komplizierten Mustern das Zählen der Maschen und weiß direkt, wo ich weiterstricken kann.

Noch ein kleiner Hinweis: Ich lasse die Safety Lines bis zum Ende im Strickstück und ziehe regelmäßig neue ein – sicher ist sicher.

Vielen Dank Joél Joél für diese tollen Strick-Tipps!

Foto Kristin Joél (2)Kristin Joél ist 40 Jahre alt und ein echtes Münchner Kindl. Seit 2011 fertigt sie in unserem Münchner Atelier genähte und handgestrickte Unikate und Kleinserien in liebevoller Handarbeit an und legt dabei besonderen Wert auf hochwertige und exklusive Materialien

Bereits 2010 hat sie einen Stricktreff ins Leben gerufen – ein echtes Herzensprojekt, das ihr unglaublich viel Spass macht. So treffen sich Gleichgesinnte alle zwei bis drei Wochen in einem Cafe und stricken gemeinsam. Natürlich bleibt das Kuchen-Essen und ratschen auch nicht auf der Strecke.

Im Oktober 2015 erschien ihr estes Buch – Stricken – einfach, achtsam, kreativ – für die Seele mit 12 Schritt-für-Schritt-Anleitungen. So können Anfänger als auch fortgeschrittene Stricker die Seele baumeln lassen, in den Achtsamkeitstexten schwelgen und ganz gemütlich und in aller Ruhe ihr Unikat stricken.

Weitere Infos zur Person Kristin Joél sowie Ihren Projekten erhaltet Ihr auf Ihrer Website Joél Joél oder auf Ihrem Instagram-Kanal.